Twitter Kommentare Archiv Tag Cloud Links Feeds   PDF Logo save as PDF

Di, 15.02.2011

Fluch der Flexibilität – Über Planungen und Erwartungen an einen Twitterstammtisch  

Filed under: Freizeit,Web 2.0 von Mawan, 04:29:55 Uhr
Tags:

Da die Planungen des Saarländischen Twitterstammtisches und einiger Aktionen in dessen Umfeld in letzter Zeit zunehmend chaotischer werden und mir einzelne Äußerungen in diesem Kontext doch sehr negativ aufgefallen sind, wie bereits angekündigt hier mal ein paar Ansichten und Gedanken aus meiner Position dazu, vor allem im Hinblick auf den Ablauf der Organisation zukünftiger Events dieser Art.
Mich stören nämlich momentan zwei Dinge, erstens die Tendenz, mit der sich die Planbarkeit entwickelt (was aus meiner Sicht zumindest nicht noch unvorhersagbarer und/oder kurzfristiger werden sollte), zum anderen insbesondere die Einstellung, die ich vor allem aus einem Kommentar herauslese.

Vorab: es hat auch am Freitag, wie bei jedem anderen Event vorher auch,  geklappt, dass jeder, der das wollte, auch einen Platz bekommen hat; letztendlich waren wir dann 17 Leute für 18 reservierte Plätze, und ich bin auch optimistisch, dass es auch in Zukunft halbwegs hinhauen wird, dass wir alle Leute unterkriegen, zumal wir an anderen Orten weniger bezüglich der Personenanzahl beschränkt sein dürften.
Dennoch sollten sich bitte alle Beteiligten klar machen, dass das teilweise nur möglich ist, weil der jeweilige Organisator – teilweise mehrfach – noch nach der Reservierung erneut anrufen muss, das Restaurant dann ggfs. (so geschehen z.B. im Flammkuchenhaus) nochmal Tische umstellen muss etc. und das somit, auch wenn kurzfristige Änderungen noch zu berücksichtigen sind, zusätzliche Arbeit bedeutet. Weiterhin ist es so, dass es ja nicht nur um einzelne Leute geht, sondern es sich mittlerweile bei ca. 20 Teilnehmern um 5-10 Leute handelt, die in den letzten 1-2 Tagen vorher oder gar am Tag selber noch ihren Zusagestatus ändern (oder entgegen der Tweetvite-Aussage dann trotz Zusage nicht bzw. trotz Absage doch kommen), und ich habe den Eindruck, dass das immer mehr Leute sind, evtl. auch, weil es ja doch jedes Mal irgendwie hinhaut.
Während ich für kurzfristige Absagen durchaus noch Verständnis habe, wenn da wirklich was kurzfristiges und unvorhersehbares dazwischen gekommen ist (schließlich dürfte es allen Leute lieber sein, zum Twitterstammtisch zu kommen, als z.B. krank im Bett zu liegen, mit den Folgen einer überschwemmten Küche oder ausgefallen Heizung kämpfen zu müssen etc.) und es umgekehrt wirklich Leute geben mag, die bis kurz vorher nicht wissen, dass sie kommen können und wollen (z.B. Neulinge, die vorher gar nichts vom Twitterstammtisch wussten, vorher noch einen anderen Termin nicht vorhersagbarer Dauer haben o.ä.), kann ich mir nicht vorstellen, dass es bei so vielen Leuten wirklich der Fall ist, dass sie erst zwei oder noch weniger Tage vor einem Treffen sagen können, dass sie teilnehmen können. Insofern wäre es durchaus hilfreich, wenn sich zumindest die, bei denen der Grund nicht nur eigene Bequemlichkeit, bis zum allerletzten Moment flexibel zu sein (ich erinnere mich etwa an Leute, die z.B. für das Flammkuchenessen mittags noch abgesagt hatten, dann abends auf einmal doch da standen und erklärten „ja, wir mussten ja sowie was essen“ – das ist sicherlich richtig, auch wenn die Erkenntnis doch nicht so arg neu gewesen sein dürfte…), sich möglichst bis zur Reservierung eintragen würden. Während man mit einer Gruppe von 5-10 Leuten vielleicht noch kurzfristig planen kann (sicherlich auch nicht überall), ist das in der Größenordnung ohne rechtzeitige Reservierung eben nicht machbar, erst recht nicht am Wochenende, wo ja nicht nur die Teilnehmer des Twitterstammtisches erfahrungsgemäß am ehesten Zeit haben…

Das aber nur als Erinnerung an Dinge, die eigentlich ohnehin bekannt sein dürften, auch wenn sich einige wohl weniger Gedanken gemacht haben, dass doch etwas Aufwand hinter so einer Planung steckt. Der eigentlich Grund für diesen Artikel waren dann einige Äußerungen auch der Diskussion rund um den letzten Twitterstammtisch in Form eines Sushi-Essen. Hier zunächst der zeitliche Ablauf: Wie immer wurde zunächst eine Doodle-Umfrage zur Terminfindung angelegt und über diverse Medien und Accounts auf Twitter, Facebook etc. darauf hingewiesen. Wie immer wurde (hier nach ca. einer Woche) der Termin genommen, an dem die meisten Leute „ok“ eingetragen hatten. Teilgenommen hatten 19 Leute, von denen 12 u.a. für den 11.02. gestimmt hatten, von diesen waren übrigens 5 dann tatsächlich anwesend… Natürlich ist die Teilnahme bei Doodle keine verbindliche Zusage, aber doch ein Anhaltspunkt für die spätere Personenzahl und somit auch die Reservierung…
Es folgte die Erstellung des Tweetvite-Events und – in Anbetracht der Tatsache, dass das Oishii bekanntlich gerade am Wochenende eher ausgebucht ist und der Termin bereits ca. anderthalb Wochen später bevorstand, am nächsten Tag eine vorläufige Reservierung, zunächst für 13 Leute (es gab Zeiten, in denen die Zahl der spontanen Absagen ungefähr gleich mit der der spontanen Zusagen war…); später hat Andi auf 18 erhöht (zu diesem Zeitpunkt waren die 13 noch nicht erreicht) und darauf hingewiesen, dass dies die Maximalgrenze ist; bei Leuten, die schon Interesse geäußert hatten, z.B. durch Eintrag bei Doodle oder in Form eines „Maybe“ bei Tweetvite, ohne zuzusagen, wurde nochmal explizit nachgefragt. Am 07.02. – also knapp vier Tage vor dem Stammtisch – war die  Grenze von 18 dann erreicht bzw. bereits leicht überschritten, worauf ich auch nochmal explizit in den Kommentaren hingewiesen hatte. Dennoch haben sich weitere Leute eingetragen (was ja auch durchaus gut so ist, da diese Leute ja gern kommen können, wenn – wie immer – andere absagen und somit wieder Plätze frei sind), so dass wir zwischenzeitlich bei 23 Teilnehmern zuzüglich ggfs. Leuten von der „Maybe“-Liste gewesen wären, was – Anwesende werden mir wahrscheinlich zustimmen – mit den 18 vorhanden Plätzen einfach nicht sinnvoll zu machen gewesen wäre.

Daher hatte ich ich es gewagt, darauf hinzuweisen, dass wir möglicherweise (d.h. im Falle weiterer Anmeldungen oder ohne Absagen der eingetragenen Leute) nicht alle unter bekommen würden. Während viele das durchaus ok fanden („wäre also kein absoluter Weltuntergang“, „würde mich freuen, wenn es klappt, obwohl ich mich so kurzfristig angemeldet habe, aber wenn nicht heute.. freue ich mich neugierig auf das nächste Mal“ etc.), gab es auch andere Meinungen, insbesondere den Vorschlag, das ganze doch ganze zwei Tage vorher noch  woanders hin zu verlagern (wobei ich überzeugt bin, dass das schon daran gescheitert wäre, dass für einen Freitagabend und für eine Gruppe von 20 oder mehr Personen kaum so kurzfristig eine entsprechende Reservierung möglich gewesen wäre) und somit dem Oishii abzusagen, da dieses mit unseren Kapazitäten nicht klarkäme sowie „Leute ausladen geht gar nicht“. Spätestens damit war dann bei mir der Punkt erreicht, der diesen Artikel notwendig machte, da solche Dinge bei mir gar nicht gehen und die Grenze zu dem, was ich noch kommentarlos hingenommen hätte, damit deutlich überschritten war:
Erstens stimmt es nicht, dass das Oishii mit unseren Kapazitäten (zum Zeitpunkt der Reservierung) nicht klargekommen wäre, vielmehr lag die Zahl der reservierten und zugesagten Plätze sowohl bei der ursprünglichen als auch bei der erhöhten Reservierung über der Zahl der Zusagen incl. Reserve zum jeweiligen Zeitpunkt. Was hier eben nicht möglich war, war auch am Tag selbst oder kurz vorher nochmal um ein paar Plätze zu erhöhen, und das war anderthalb Wochen vorher klar und kommuniziert. Noch unzutreffender finde ich das „Leute ausladen“: wenn sich Leute eintragen, obwohl sie damit die maximale Personenanzahl überschreiten, ist das (auch im Hinblick auf später freiwerdende Plätze) durchaus ok, begründet aber in meinen Augen keinen Anspruch darauf, auch noch eine Woche nach der Reservierung und zwei Tage vor dem Stammtisch noch auf jeden Fall einen Platz zu kriegen (auch wenn das bisher immer hingehauen hat). Geht es noch?!? Man kann sich also offenbar jederzeit anmelden, den wochenlangen Vorlauf mit wiederholten Bitten um Eintragung ignorieren zu können, aber Restaurant und Organisatoren haben dann gefälligst sicherzustellen, dass unter allen Umständen (wahrscheinlich auch noch, wenn eine halbe Stunde vorher noch zehn Leute dazukommen?!) genügend Plätze vorhanden sind. Gilt das auch für Konzerte oder Flugreisen (vermutlich hat der Veranstalter dann ein Ereignis in eine andere Halle zu verlegen oder ein weiteres bzw. größeres Flugzeug herbeizuzaubern…), ist da wenigstens ein paar Sekunden vor Beginn bzw. Abflug ein „ausverkauft“ bzw. „ausgebucht“ akzeptabel oder bezieht sich dieses Anspruchsdenken ohnehin nicht auf kommerzielle Dinge, sondern nur auf den ehrenamtlich organisierten Twitterstammtisch, der bis zum letzten Moment über beliebig viele Plätze zu verfügen hat? Auch dem Argument, dass doch immer noch Nachzügler kommen, mag ich nicht wirklich folgen, denn erstens folgt aus der Tatsache, dass das einige in der Vergangenheit entgegen der Organisatoren-Bitten so gehandhabt haben, ja nicht, dass das immer (und vor allem bei immer mehr Leuten…) so gehandhabt und vor allem möglich sein muss, und vor allem ist es ja auch immer so, dass noch Absagen kommen.

Auch mal abgesehen davon, dass ich es schon als ziemlich unverschämt empfinde, einerseits für sich selbst und  andere in Anspruch zu nehmen, bis zum letzten Moment flexibel zu sein, während wieder andere unter allen Umständen Dinge zu garantieren haben: wie sollte man das denn bewerkstelligen? Einfach die Umfragen dicht machen, so dass sich Leute nicht mehr eintragen können (was aber schlecht ist, wenn doch wieder Plätze frei werden und man dann wirklich unnötigerweise Leute ausschließen würde)? Sollte man mal für alle Fälle für 30 Leute reservieren, auch wenn man nur mit 20 rechnet, um auf jeden Fall noch freie Plätze zu haben, auch wenn sich kurzfristig noch deutlich mehr Leute melden als abspringen – und wenn das nicht der Fall ist, bleiben die Plätze halt leer und der Restaurantbetreiber und Leute, denen er deswegen absagen musste, haben dann halt leider Pech gehabt? Fände ich eine etwas asoziale Vorgehensweise, da ich eine Reservierung nicht nur als einseitige Verpflichtung ansehe: natürlich hat einerseits das Restaurant dann auch Plätze in mindestens der zugesagten Zahl zur Verfügung zu stellen, umgekehrt sollten die Gäste dann aber auch zumindest in etwa in einer entsprechenden Zahl erscheinen; und ich hätte Verständnis für jeden Gastwirt, der sich weigert, entsprechende Reservierungen von Leuten anzunehmen, wenn da in der Vergangenheit massiv Plätze frei geblieben sind und ihm somit einen unnötigen Verdienstausfall gebracht haben (und genau das wäre hier passiert, wenn wir wirklich für 23 oder mehr Plätze gesorgt hätten, mal abgesehen davon, dass das nicht möglich gewesen wäre). Wenn es für manche Leute normal sein sollte, eine Reservierung dann mal eben als unverbindlich anzusehen und die Restaurants mit Hinweis auf „unternehmerisches Risiko“ hängen zu lassen, mögen sie das Events, um die sie sich kümmern (also mehr als eventuell zu kommen oder dann vielleicht auch doch wieder nicht und Ansprüche zu stellen… ;-/) von mir aus machen, aber ich weigere mich, das ebenfalls so handzuhaben. Und für die Unfähigkeit, ein paar Tage vorher zu sagen, ob man nun kommt oder nicht, kann man in den meisten Fällen meiner Ansicht nach durchaus was, und selbst wenn nicht, sollte man das Risiko, ggfs. keinen Platz mehr zu bekommen, eben selbst tragen. Es war nie die Rede davon, jemandem von den für die verfügbaren Plätze angemeldeten Leuten (also den ersten 18) wieder abzusagen. Was aber durchaus möglich sein sollte, wenn alle Interessenten eben trotz Absagen und Bemühungen nicht unterzubringen sind (und es dürfte ja auch niemandem was bringen, wenn sich dann auf einmal 25 Leute auf 18 Plätze quetschen müssen), dann eben die teilweise über eine Woche nach der Reservierung und trotz mehrerer Hinweise auf begrenzte Kapazitäten erfolgten Anmeldungen eben nicht mehr zu berücksichtigen, auch wenn das bisher erfreulicherweise noch nie notwendig war. Natürlich sollte der Twitterstammtisch offen bleiben, was aber für mich nicht heißt, dass jederzeit für jeden Platz zu sein hat (zum Zeit der Reservierung aber schon, was aber eben Anmeldungen zum entsprechenden Zeitpunkt voraussetzt). Und das Problem ist natürlich nicht völlig neu, tritt aber mittlerweise deutlich verstärkt auf, da es nicht nur insgesamt immer mehr Leute werden (was grundsätzlich ja durchaus erfreulich ist), sondern auch ein immer höher werdender Anteil von Leuten offenbar glaubt, sich noch kurzfristig entscheiden zu können, was bei Gruppen dieser Größe eben durchaus kritisch ist.
Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb: wenn sich Leute bis zum letzten Moment Flexibilität erhalten wollen oder müssen, ist das ok (auch wenn es uns das Leben nicht gerade leichter macht). Dann aber noch das Risiko, ggfs. keinen Platz mehr zu kriegen, auf andere abzuwälzen und an diese überzogene Forderungen zu stellen, ist in meinen Augen doch arg daneben.
Dennoch halte ich es für das beste System, bei der bisherigen Vorgehensweise zu bleiben; normalerweise sollte das ja klappen, und ansonsten haben halt die Leute Pech gehabt, die das Problem durch kurzfristige Planungen verursacht haben, was dann zwar schade, aber eben auch irgendwie fair ist.

Was hingegen weniger bringt sind Vorschläge, kurzfristig für eine Gruppe dieser Größe mal eben einen neuen Ort zu suchen (mangels realistischer Durchführbarkeit), und was in meinen Augen gar nicht geht, sind dann solche Aussagen und Forderungen wie die oben genannten…
Daher nochmal meine Bitte, sich rechtzeitig anzumelden. Das erleichtert nicht nur Organisatoren und Restaurantbetreibern die Arbeit, sondern dann kann man natürlich auch erwarten, einen Platz zu bekommen…
Natürlich sollte das jetzt nicht dazu führen, dass jeder erstmal zusagt und wir dann doch mit viel zu hohen Reservierungen planen (was dann übrigens auch die möglichen Orte für Twitterstammtische eingrenzen würde), dazu siehe oben.

Sollte es hingegen so weitergehen, dass diverse Leute nach Belieben jederzeit zu- und absagen und dann einzelne noch fordern, dass damit jederzeit problemlos umgegangen werden kann, könnte es sein, dass ich mich aus der Organisation derartiger Ereignisse zurückziehe und den Leuten überlasse, die dann offenbar besser wissen, wie man sowas macht.
Wäre mal interessant zu sehen, ob das dann wirklich der Fall ist…

Bleibt zu bemerken, dass es natürlich nicht darum geht, irgendwelche Leute nicht dabei zu haben (der Idealfall ist natürlich, dass alle Interessierten teilnehmen können), sondern nur um den Zeitpunkt und Umsetzbarkeit der Anmeldung. Und hätten diesmal eben nicht relativ viele Leute kurzfristig absagen müssen, hätten wir nun mal ein ernsthaftes Platzproblem gehabt: Selbst im Normalfall ist es nicht einfach, mal eben 5 oder mehr Leute in einer solchen Runde noch mit unterzubringen, wenn alle etwas essen wollen, und bei Sushi mit diversen Schälchen etc. und bei Mangel an verfügbaren Stühlen (die anderen Tische waren nämlich auch alle belegt) erst recht.

Bevor das jetzt aber zu negativ klingt: ich glaube und hoffe, dass wir es auch in Zukunft, wie es bisher immer ja auch immer der Fall war, alle Leute unterkriegen. Aber dazu sollte sich bitte auch jeder bemühen, den Organisatoren nicht das Leben unnötig schwer zu machen und dann auch noch Forderungen nach Garantien zu stellen (während man selbst natürlich zu nichts verpflichtet ist), dann sollte das auch ohne größere Probleme hinzukriegen sein, zumal ja nicht überall die Kapazitäten so eng sind wie beim Sushi-Essen…

Abschließend noch herzlichen Dank an Andi, der trotz diversen Chaos diesen Twitterstammtisch organisiert hat und zu einer weiteren gelungenen Aktion gemacht hat!

Bisher 672 Mal aufgerufen.

So, 27.09.2009

Raab geentert, Linker Flashmob oder Linksruck in Deutschland?  

Filed under: Internet,non-digest,Politik,TV,Twitter,Web 2.0 von Mawan, 05:42:19 Uhr
Tags:

Nachdem das TV total Bundestagswahl-Spezial 2005 ein Ergebnis lieferte, das – worauf auch Stefan Raab selbst im Vorfeld und zu Beginn der diesjährigen Sendung wiederholt hinwies – relativ dicht am späteren tatsächlichen Wahlergebnis war, gab es diesmal eine doch recht überraschende Prognose:

Partei: Anteil:
CDU/CSU 31.5%
SPD 16.8%
FDP 14.5%
Bündnis 90 / Die Grünen 14.4%
Die Linke 16.8%

Nun wird der aufmerksame Beobachter festgestellt haben, dass die Summe dieser Zahlen zusammen 94% ergibt, es also noch 6.0% für sonstige Parteien gibt, obwohl diese bei der Sendung gar nicht zur Wahl standen – wieso eigentlich nicht, wenn man sie anschließend doch wieder einbezieht, um eine möglichst realistische Prognose zu bekommen?

Zum anderen wäre das Ergebnis doch eher etwas überraschend, wenn es denn tatsächlich so käme, da es doch von den sonstigen Prognosen deutlich abweicht.

Hier stellt sich nun die Frage nach dem Warum. Wird sich die Raab-Prognose morgen bestätigen und es gibt tatsächlich eher enttäuschende Ergebnisse für die großen und überraschend gute Ergebnisse für die kleineren Parteien, insbesondere die Linke? Oder gab es eine Aktion der Linken, um das Ergebnis etwas zu frisieren, immerhin war man laut Raab-Resultaten sogar in einigen Bundesländern stärkste Liste, auch in solchen, in denen das nicht unbedingt zu erwarten war? Oder hat hier gar sonst jemand manipuliert? Oder liegt Raab hier einfach nur durch einen dummen Zufall daneben?

Wie so gut wie alle Tagesthemen gibt es natürlich auch hierzu Diskussionen via Twitter; auch ich habe den Verdacht geäußert, dass hier Piraten ein wenig Unordnung  in die Sendung gebracht haben könnten, aus Enttäuschung oder Verärgerung darüber, dass sie im Gegensatz zu den Parteien, die die Fraktionen im aktuellen Bundestags stellen, keine Plattform in der Sendung geboten bekamen. Andere wie @Skymaker oder @Driver1503 bestritten das. Ich lade Euch herzlich zu einer Diskussion hier ein; mit 140 Zeichen erscheint mir das nicht so richtig sinnvoll…

Tja, was ist hier nun wirklich passiert? Mir kommt es jedenfalls etwas seltsam vor, wenn erst derartige Aktion diskutiert und wohl auch von zahlreichen Leuten für gut befunden wird, auch wenn sich dann eine knappe Mehrheit dagegen ausspricht (eine andere Interpretation wäre, dass sich fast zwei Drittel dafür ausgesprochen haben, bei Raab entweder für die Grünen oder die Linke abzustimmen, um mit Raab das gleiche zu tun, wie man ihm vorwirft, nämlich das Resultat zu verfälschen – wäre das eigentlich dann besser?) , dabei die Situation der Piraten noch explizit mit der der Linken vergleicht, und am Ende tatsächlich eine Prognose heraus kommt, bei der eben Grüne und Linke doch unerwartet stark abschneiden. Weiterhin glaube ich nicht, dass wirklich alle die Absage der Aktion mitbekommen haben bzw. sich ggfs. daran gehalten haben.

Wenn man bei Twitter mal nach den genannten Hashtags #EnterDenRaab oder #Wahlfälschung sucht, fällt doch auf, dass sich doch sehr viele Leute, die offenbar mindestens Sympathisanten der Piratenpartei sind (in gewisser Weise bin ich ja selbst einer)  und das den Regeln des Wahlgetwitters entsprechend mit #piraten+ zum Ausdruck bringen, sich über die seltsame Prognose freuen und nicht selten mit hämischen Kommentaren versehen. Eher zufällig entdeckt: unter den Tweets des saarländischen Listenkandidaten Marc Großjean der Piratenpartei zur aktuellen Bundestagswahl findet sich ein Eintrag, der wie folgt lautet „@TVtotal nächste mal Piraten einladen oder zur Umfrage stellen, dann müssen wir keine andere Partei kapern 🙂 #btw09 #tvtotal #piraten+“. Nun kenne ich den Herrn persönlich und kann sagen, dass er meines Wissens weder über multiple Persönlichkeiten verfügt noch normalerweise den plural majestatis zu benutzen pflegt – wer also ist hier mit „wir“ gemeint wenn nicht die Piraten (wohlgemerkt, ich spreche hier von Handlungen von „Piraten“, womit ich eine Aktion Anhänger der Piratenpartei meine und keine Aktion, die von irgendwelchen offiziellen Parteigremien beschlossen worden wäre, auch wenn selbst Jens Seipenbusch selbst seinen Unmut geäußert hat)? Auch das Blog selbst scheint doch recht eindeutig einem Piraten-Anhänger zuzuordnen zu sein.

Insofern bleibe ich also erstmal bei meiner Vermutung, dass hier schon von piratiger Seite etwas an der Raab-Prognose gedreht wurde, höre mir aber gern auch Gegenargumente an bzw. lese selbige, z. B. in Form von Kommentaren zu diesem Blogeintrag.

Bisher 550 Mal aufgerufen.